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Deutschland nach der Groko-Sondierung

Bayerischer Rundfunk

Auftraggeber: Bayerischer Rundfunk

Koalitions-Sondierungen: Unions-Parteien haben sich am meisten durchgesetzt

Mit Blick auf die Sondierungsergebnisse zur Bildung einer schwarz-roten Bundesregierung sehen die Bundesbürger die Unionsparteien im Vorteil: Die Hälfte der Wahlberechtigten (55 Prozent) ist der Ansicht, dass sich CDU (38 Prozent) bzw. CSU (17 Prozent) bei den Sondierungen am meisten durchgesetzt haben, 15 Prozent sehen alles in allem die SPD im Vorteil. Die SPD-Anhänger selbst machen den Verhandlungserfolg ebenfalls eher auf Seiten von CDU bzw. CSU (53 Prozent) aus. Nur jeder fünfte SPD-Anhänger (19 Prozent) vertritt die Meinung, die eigenen Partei habe sich in den Sondierungsgesprächen am stärksten durchgesetzt.

 

Bewertung der drei Verhandlungsführer: CDU-Vorsitzende hinterlässt bestes Bild

Von den drei Verhandlungsführern bei den Sondierungsgesprächen – Merkel, Seehofer und Schulz – hinterlässt die CDU-Vorsitzende mit Abstand das beste Bild bei den Wahlberechtigten: Angela Merkel wird nach den Sondierungsgesprächen von den Bundesbürgern jeweils mehrheitlich sowohl Führungsstärke (77:22 Prozent) als auch Glaubwürdigkeit attestiert (59:38 Prozent). Zugleich bestehen bei zwei Dritteln der Bundesbürger (67 Prozent) kaum Zweifel, dass die CDU-Vorsitzende ihre eigene Partei momentan hinter sich hat.

Die parteiinterne Kritik in Teilen der SPD an den Sondierungsergebnissen schlägt in der Wahrnehmung des SPD-Bundesvorsitzenden dagegen deutlich negativ zu Buche: Martin Schulz gilt derzeit nur bei drei von zehn Wahlberechtigten (28:66 Prozent) als führungsstark. Bei lediglich einem Drittel (34:59 Prozent) besteht zudem der Eindruck, der SPD-Bundesvorsitzende habe seine Partei hinter sich. Glaubwürdigkeit bescheinigen ihm 41 Prozent der Bundesbürger, 52 Prozent dagegen nicht. In den eigenen Reihen schätzt eine Mehrheit Martin Schulz zwar als glaubwürdigen Politiker (72:25 Prozent). Hinsichtlich seiner Führungsstärke (48:48 Prozent) und seinem parteiinternen Rückhalt (46:44 Prozent) besteht bei den SPD-Anhängern allerdings ein geteiltes Bild. 

Ambivalent fällt das Meinungsbild zu Horst Seehofer aus. Unter den Bundesbürgern überwiegt der Eindruck eines führungsstarken Politikers (57:37 Prozent). Hinsichtlich seines Rückhalts in der eigenen Partei gehen die Urteile der Bundesbürger allerdings sichtbar auseinander (47:49 Prozent). Ähnlich wie bei Martin Schulz sehen nur vier von zehn in ihm einen glaubwürdigen Politiker (38:56 Prozent). 

 

SPD-Verhandlungserfolge: am ehesten in der Europapolitik, nicht aber in Flüchtlings- und Gesundheitspolitik

Im Vergleich von SPD-Forderungen vor der Sondierung und den Sondierungsergebnissen identifizieren die Wahlberechtigten Verhandlungserfolge für die Sozialdemokraten am ehesten in der Europapolitik: 36 Prozent der Bundesbürger vertreten die Meinung, die SPD habe hier erfolgreich verhandelt, ebenso viele aber sind gegenteiliger Meinung. In der Flüchtlingspolitik identifiziert jeder vierte Wahlberechtigte (25 Prozent) ein erfolgreiches SPD-Verhandlungsergebnis, in der Gesundheitspolitik jeder Fünfte (20 Prozent). Jeweils die Hälfte der Bundesbürger machen kein erfolgreiches SPD-Verhandlungsresultat aus.

Das Urteil der SPD-Anhänger zu den Sondierungsergebnissen fällt etwas positiver aus als die der Bundesbürger insgesamt. In der Europapolitik überwiegt in den SPD-Reihen sogar die Sicht, erfolgreich verhandelt zu haben (50:34 Prozent). In der Gesundheits- (32:50 Prozent) und Flüchtlingspolitik (27:58 Prozent) herrscht allerdings bei den SPD-Anhängern ebenfalls der Eindruck einer weniger erfolgreichen Sondierung vor.

 

Positionswechsel der SPD-Spitze zu Schwarz-Rot: Sozialdemokraten handeln aus staatspolitischer Verantwortung

Nach den gescheiterten Jamaika-Sondierungen hat sich die SPD-Spitze für Gespräche zur Bildung einer großen Koalition ausgesprochen, nachdem sie zuvor einen erneuten Eintritt in eine unionsgeführte Koalition ausgeschlossen hatte. Diesen Positionswechsel deuten sechs von zehn Bundesbürgern (59 Prozent) als Übernahme staatspolitischer Verantwortung. Demgegenüber folgt ein Drittel (36 Prozent) der Kritik von Politikern der Linken und der FDP, dass die Sozialdemokraten mit ihrem Positionswechsel „umgefallen“ seien.

 

Erwartungen: Sieben von zehn rechnen damit, dass sich SPD-Gremien einer schwarz-roten Neuauflage nicht verweigern

Ungeachtet des Eindrucks, dass sich die SPD in den Sondierungsgesprächen vielfach nicht durchgesetzt habe, erwarten sieben von zehn Bundesbürgern (69 Prozent), dass sich die SPD-Gremien letztlich einer Koalition mit der Union nicht verweigern. Auch unter den SPD-Anhängern rechnen 71 Prozent damit, dass Sonderparteitag und Mitgliederentscheid einer Neuauflage von Schwarz-Rot letzten Endes zustimmen werden.


Studieninformation

Grundgesamtheit:Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren

Stichprobe:Repräsentative Zufallsauswahl/Randomstichprobe

Erhebungsverfahren:Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl:1.001 Befragte

Erhebungszeitraum:12. bis 15. Januar 2018

Schwankungsbreite:liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

Durchführendes Institut:infratest dimap