Sachsen-AnhaltTREND August 2026
Repräsentative Studie für die ARD
Wahlpräferenzen elf Tage vor der Landtagswahl: AfD mit großem Vorsprung
Am 06. September sind in Sachsen-Anhalt ca. 1,7 Mio. Wahlberechtigte aufgerufen, über die Zusammensetzung des Magdeburger Landtags neu zu entscheiden. Die CDU, die im Bundesland seit 2002 den Ministerpräsidenten stellt, käme bei einer Wahl zum aktuellen Zeitpunkt auf 22 Prozent (2021: 37,1 Prozent). Sie fiele damit auf einen historischen Tiefstand in Sachsen-Anhalt. Im Vergleich zum letzten Sachsen-AnhaltTREND von Ende Juli geben die Christdemokraten unter Sven Schulze nochmals nach (-2). Die AfD hätte derzeit Aussicht auf 42 Prozent (+1 zu Juli), womit sie ihre Wählerunterstützung von 2021 (20,8 Prozent) verdoppeln und bundesweit ihr bestes Ergebnis bei Landtagswahlen erzielen würde. Die Linke käme aktuell auf 11 Prozent (2021: 11,0 Prozent; -2 zu Juli), die SPD auf 8 Prozent (2021: 8,4 Prozent; +1 zu Juli), während die Grünen mit 6 Prozent (2021: 5,9 Prozent; +1 zu Juli) rechnen könnten. Alle drei Parteien bewegen sich damit etwa auf dem Niveau von 2021. Das 2024 gegründete BSW würde derzeit mit 4 Prozent (+/-0 zu Juli) an der Mandatsschwelle scheitern, die FDP mit 3 Prozent (2021: 6,4 Prozent). Alle übrigen Parteien kämen zusammen auf 4 Prozent.
Die aktuelle Sonntagsfrage ist die letzte Messung von Wahlabsichten durch infratest dimapvor der Landtagswahl. Bewegungen in den verbleibenden elf Tagen sind damit nicht ausgeschlossen, Rückschlüsse von den über die Sonntagsfrage ermittelten Wahlneigungen auf das Wahlverhalten und den Ausgang der Wahl am 06. September somit nur begrenzt möglich. Gut jeder zehnte Wahlberechtigte (11 Prozent) gibt an, dass sich seine Parteipräferenz bis zum Wahltag noch ändern könnte. Für sieben von zehn Wahlberechtigten steht die Wahlentscheidung fest. Etwa jeder Fünfte (19 Prozent) tendiert zur Nichtwahl bzw. lässt bislang keine Neigung zu einer Partei erkennen.
CDU- oder AfD-Regierung: Sachsen-Anhalt gespalten
Das Regieren wäre bei einem Wahlausgang gemäß der aktuellen Sonntagsfrage schwierig. Die AfD würde eine absolute Mehrheit im Landtag zwar verfehlen. Ministerpräsident Schulze wäre allerdings für Regierungsgeschäfte ohne AfD-Einbindung auf die Unterstützung aller übrigen Landtagsparteien angewiesen. Diesen unübersichtlichen Kräfteverhältnissen entsprechen im Bundesland weitgehend gleich große Unterstützergruppen für einen Regierungswechsel zugunsten der AfD bzw. für eine Fortführung CDU-geführter Landesregierungen: 42 Prozent (-2 zu Juli) favorisieren für die Zeit nach der Wahl eine AfD-geführte, 41 Prozent (-2 zu Juli) eine CDU-geführte Landesregierung. Für eine fortgesetzt CDU-geführte Landesregierung sprechen sich neben den CDU-Anhängern (96 Prozent) die Anhänger von SPD (89 Prozent), Grünen (94 Prozent) und Linken (72 Prozent) aus. Deutlich unterschiedliche Haltungen zeigen sich im Altersverlauf. Eine mehrheitliche Unterstützung für eine Fortführung CDU-geführter Landesregierungen in Sachsen-Anhalt besteht allein bei den Über-65-Jährigen.
In der Frage der personellen Besetzung des Ministerpräsidentenamtes ist das Meinungsbild im Bundesland ähnlich gespalten. In der direkten Entscheidung zwischen Sven Schulze von der CDU und Ulrich Siegmund von der AfD setzen 41 Prozent auf den Amtsinhaber (+5 zu Mai), 39 Prozent (+7 zu Mai) auf den AfD-Herausforderer. Einen Ministerpräsidenten Schulze wünschen sich neben den CDU-Anhängern (89 Prozent) die Wähler von SPD (78 Prozent), Grünen (92 Prozent) und Linken (74 Prozent). Deutliche Unterschiede bestehen auch hier in den Positionen der Altersgruppen. Eine mehrheitliche Präferenz für den CDU-Ministerpräsidenten besteht erneut allein bei den Über-65-Jährigen.
Bewerber um das Ministerpräsidentenamt mit wenig persönlicher Zugkraft
Beide Bewerber um das Ministerpräsidentenamt tun sich im Urteil der Wahlberechtigten schwer. Mit CDU-Ministerpräsident Sven Schulze sind 30 Prozent zufrieden, 46 Prozent unzufrieden. Herausforderer Ulrich Siegmund findet mit 37 Prozent mehr Zuspruch als der Amtsinhaber. 35 Prozent äußern sich zugleich aber ablehnend zur Person des AfD-Politikers.
CDU-Regierung mit Linken-Unterstützung: CDU-Anhänger gespalten
Traditionelle Modelle des Regierens scheiden bei einem Wahlausgang gemäß der aktuellen Sonntagsfrage in Sachsen-Anhalt aus. Eine CDU-geführte Landesregierung wäre künftig auf die Unterstützung von Parteien angewiesen, für die die CDU bislang eine Zusammenarbeit ausgeschlossen hat. Hierzu zählt neben der AfD auch die Linke. Der Zuspruch für eine Einbindung der Linken in die Regierungsgeschäfte ist allerdings gering. Nur ein knappes Drittel (32 Prozent) der Wahlberechtigten im Bundesland bewertet eine von der Linken unterstützte CDU-geführte Landesregierung positiv, sechs von zehn sehen dies kritisch (59 Prozent). Während sich SPD- (71 Prozent), Grünen- (90 Prozent) und auch Linken-Anhänger (83 Prozent) mehrheitlich positiv äußern, sind die Unions-Anhänger in ihrem Urteil gespalten (47:47 Prozent).
Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt
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