Sachsen-AnhaltTREND Juli 2026

Repräsentative Studie für den MDR, WDR, die Mitteldeutschen Zeitung und die Volkstimme

Sonntagsfrage: AfD stärkste Kraft, CDU fällt weiter zurück

Auch fünf Wochen vor der Landtagswahl verfügt die AfD über gute Aussichten, erstmals stärkste Partei in Sachsen-Anhalt zu werden. In der aktuellen Sonntagsfrage kommt sie unverändert zu Mai auf 41 Prozent und behauptet ihren Vorsprung auf die CDU. Ihr Landtagswahlergebnis von vor fünf Jahren (20,8 Prozent) hätte die AfD damit nahezu verdoppelt. Die CDU unter Sven Schulze gibt gegenüber Mai 2 Punkte ab und fällt mit aktuell 24 Prozent weiter hinter die AfD zurück. Ihr Ergebnis der letzten Landtagswahl (37,1 Prozent) würde sie deutlich verfehlen. Drittstärkste Kraft wäre zum jetzigen Zeitpunkt die Linke mit 13 Prozent (+1 zu Mai 2026; 2021: 11,0 Prozent). Die SPD hätte unverändert 7 Prozent in Aussicht und würde ihr historisches Tief von vor fünf Jahren (8,4 Prozent) nochmals unterschreiten. Die Grünen wahren mit momentan 5 Prozent (+1) ihre Chance, den Landtagseinzug von 2021 zu wiederholen. Das 2024 neu gegründete BSW würde mit 4 Prozent (+/-0) an der Mandatsschwelle scheitern. Alle übrigen Parteien kämen zusammen auf 6 Prozent (+/-0), darunter auch die FDP.

Die Sonntagsfrage misst Parteipräferenzen, kein Wahlverhalten. Ermittelt wird ein Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess, der erst am Wahltag abgeschlossen ist. Teile der Wähler legen sich kurzfristig fest. Hierbei wirken das Themenumfeld wie der Wahlkampf mit der Ansprache unentschlossener und taktischer Wähler. Schlüsse auf spätere Wahlausgänge sind somit nur bedingt möglich.

Kritik an Magdeburger Regierungsarbeit überwiegt

Bei einem Wahlausgang entsprechend der Sonntagsfrage könnte das Magdeburger Drei-Parteienbündnis aus CDU, SPD und FDP nicht weiterregieren. Dem entspricht eine überwiegend kritische Bilanz der Wahlberechtigten zum Ende der Legislaturperiode: Drei von Zehn (29 Prozent) stellen der Landesregierung ein gutes Zeugnis aus, zwei Drittel (66 Prozent) bewerten die aktuelle Regierungsarbeit hingegen negativ. Gegenüber Mai hat die Zahl der Kritiker der Regierungsleistung weiter zugenommen (+4), während die Zufriedenheit entsprechend zurückgegangen ist (-4).

Rückhalt für die Magdeburger Koalitionsarbeit findet sich vor allem bei den Anhängern der CDU (72 Prozent) sowie der mitregierenden SPD (66 Prozent). In den Reihen der Grünen halten sich Zustimmung und Kritik die Waage (45:44 Prozent). Die Anhänger der Linken (27:66 Prozent) äußern sich mehrheitlich kritisch, die AfD-Anhänger gehen nahezu geschlossen auf Distanz zur amtierenden Landesregierung (6:90 Prozent). 

Führung der nächsten Landesregierung: CDU und AfD gleichauf

Eine Regierungsbildung gegen die AfD wäre gemäß der aktuellen Kräfteverhältnisse in der Sonntagsfrage schwierig. Diese engen Kräfteverhältnisse spiegeln sich in den Präferenzen der Wahlberechtigten zur Führung der nächsten Landesregierung. In der Entscheidung zwischen einem CDU- oder einem AfD-geführten Kabinett sprechen sich in Sachsen-Anhalt kaum verändert zu Mai 
43 Prozent für eine erneut CDU-geführte Staatskanzlei aus (-1). Auch wenn entsprechende Sympathien mehrheitlich auf die AfD-Anhängerschaft begrenzt sind, bevorzugen im Bundesland mit 44 Prozent (+1) ebenso viele eine Landesregierung unter Führung der Rechtsaußenpartei.

Parteikompetenzen: deutliche Verschiebungen gegenüber 2021

Dass ein Regierungswechsel zugunsten der AfD aktuell ebenso viel Zuspruch erfährt wie die Fortführung einer CDU-geführten Landesregierung, beruht auf tiefgreifenden Verschiebungen im Sachvertrauen der Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt. Trauten im Vorfeld der letzten Landtagswahl noch 40 Prozent am ehesten der CDU die Lösung der wichtigsten landespolitischen Aufgaben zu, sind es vor dem bevorstehenden Urnengang mit 16 Prozent weniger als halb so viele (-2 zu Mai 2026). Auf die AfD setzen bei der Lösung der zentralen Aufgaben dagegen 36 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Sachsen-Anhalt nach gerade einmal 9 Prozent vor fünf Jahren. Gegenüber Mai legen die AfD-Kompetenzwerte nochmals zu (+5). 

Die übrigen Parteien spielen im Kompetenzurteil der Sachsen-Anhalter weiterhin nur eine nachgeordnete Rolle. Wie im Frühsommer sehen 7 Prozent die Lösung der wichtigsten Aufgaben bei der Linken in guten Händen, der SPD sprechen 4 Prozent (-1) ihr Vertrauen aus. Auf die Grünen setzen unverändert 3 Prozent, auf das BSW unverändert 2 Prozent. Der mitregierenden FDP traut kaum jemand (1 Prozent; +/-0) die Lösung der zentralen Aufgaben zu. Drei von zehn (31 Prozent) sehen die wichtigsten landespolitischen Aufgaben bei keiner Partei gut aufgehoben (20 Prozent; -2) bzw. können oder wollen keine Partei benennen (11 Prozent; +1).  

Außerdem im aktuellen Sachsen-AnhaltTREND: 

  • Wichtigste Probleme in Sachsen-Anhalt: Zuwanderung, Bildung und Wirtschaft
  • CDU ohne Vorteile in der personellen Aufstellung
  • CDU-Bündnisse mit AfD oder Linken ähnlich kritisch bewertet

Sachsen-Anhalt

Sonntagsfrage

Übersicht & Zeitverlauf

Studieninformation
Grundgesamtheit

Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt

Erhebungsmethode

Zufallsbasierte Telefon- und Online Befragung

Fallzahl

1.149 Befragte
(674 Telefoninterviews und 475 Online-Interviews

Erhebungszeitraum

23. bis 28. Juli 2026

Schwankungsbreite

2 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 10 Prozent
3 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 50 Prozent

© infratest dimap

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