Sachsen-AnhaltTREND Mai 2026
Repräsentative Studie für den MDR, die Mitteldeutschen Zeitung und die Volkstimme
Sonntagsfrage: AfD vergrößert Vorsprung
In vier Monaten findet die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt statt. Ein Urnengang zum jetzigen Zeitpunkt hätte eine deutliche Veränderung der politischen Landschaft zur Folge. Die AfD könnte derzeit mit 41 Prozent rechnen. Die Partei hätte damit ihr Landtagswahlergebnis von 2021 (20,8 Prozent) etwa verdoppelt, sie liegt nochmals leicht besser als im letzten Sachsen-Anhalt-TREND vom vergangenen September (+2). Die CDU bliebe bei einem Wahlgang weiterhin klar hinter der AfD und ihrem letzten Landtagswahlergebnis (37,1 Prozent) zurück. Zugleich hat ihre Unterstützung in der Sonntagsfrage zum Herbst leicht nachgelassen, ebenso die der Linken (jeweils -1 zu September 2025). Die Linkspartei käme momentan auf 12 Prozent, die SPD wie im vergangenen Herbst auf 7 Prozent. Die Linke würde damit leicht besser abschneiden als zur letzten Landtagswahl (11,0 Prozent), die SPD etwas schlechter als vor fünf Jahren (8,4 Prozent).
Anderen Parteien bliebe derzeit der Einzug in den Magdeburger Landtag verwehrt. Die Grünen würden mit aktuell 4 Prozent (+1 zu September 2025) aus einem weiteren ostdeutschen Landtag herausfallen. Ebenso wäre die FDP ohne Chance auf einen erneuten Parlamentseinzug. Das BSW würde in Sachsen-Anhalt mit 4 Prozent (-2) aktuell an der Mandatsschwelle scheitern, anders als zuletzt in Thüringen, Sachsen und Brandenburg.
Die Sonntagsfrage misst Parteipräferenzen, kein Wahlverhalten. Ermittelt wird ein Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess, der erst am Wahltag abgeschlossen ist. Teile der Wähler legen sich kurzfristig fest. Hierbei wirken das Themenumfeld wie der Wahlkampf mit der Ansprache unentschlossener und taktischer Wähler. Schlüsse auf spätere Wahlausgänge sind somit nur bedingt möglich.
Führung der nächsten Landesregierung: CDU und AfD Kopf-an-Kopf
In einem Vier-Parteien-Parlament gemäß der aktuellen Sonntagsfrage wäre eine Regierungsbildung gegen die AfD allein mit einem Bündnis aller übrigen Landtagsparteien möglich. Die engen Kräfteverhältnisse in der Sonntagsfrage spiegeln sich in den Präferenzen zur Führung der nächsten Landesregierung. In der Entscheidung zwischen einem CDU- oder einem AfD-geführten Kabinett sprechen sich 44 Prozent und damit etwas weniger als im September letzten Jahres (-3) für eine fortgesetzt CDU-geführte Staatskanzlei in Magdeburg aus. Mit 43 Prozent (+6) bevorzugen faktisch ebenso viele einen Regierungswechsel zugunsten der AfD, wobei mit einem solchen Szenario mehrheitlich allein die AfD-Anhänger selbst sympathisieren.
Präferierter Ministerpräsident: Schulze knapp vor Siegmund
Auch für die künftige personelle Besetzung der Magdeburger Staatskanzlei gibt es bei den Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt vier Monate vor dem Wahlgang keinen eindeutigen Favoriten. In der Entscheidung zwischen dem erst zu Jahresbeginn ins Ministerpräsidentenamt gewählten Sven Schulze und seinem Herausforderer Ulrich Siegmund setzen 36 Prozent auf den CDU-Politiker, 32 Prozent auf den AfD-Spitzenkandidaten. Ein weiteres Drittel (32 Prozent) kann oder möchte sich in dieser Personalalternative nicht entscheiden.
Neben den CDU-Anhängern (84 Prozent) bevorzugen die SPD-Anhänger (64 Prozent) mehrheitlich den CDU-Spitzenkandidaten für das Ministerpräsidentenamt. In den Reihen der Linken spricht sich gut jeder Zweite für Sven Schulze (53 Prozent) aus, vier von zehn Linken-Anhängern (43 Prozent) tun sich allerdings mit beiden Politikern schwer. Von den AfD-Anhängern bevorzugen 71 Prozent den eigenen Spitzenmann, kaum jemand den CDU-Kandidaten (9 Prozent), ein Fünftel (20 Prozent) der AfD-Anhänger kann oder will sich in dieser Frage nicht entscheiden.
Kritik an Regierungsarbeit und gesunkenes Sachvertrauen als CDU-Herausforderung
Zentrale Herausforderungen für die Christdemokraten im bevorstehenden Wahlkampf bilden eine geringe Zufriedenheit mit der Magdeburger Regierungsarbeit sowie ein deutlich gesunkenes Vertrauen in die Problemlösungsangebote der langjährigen Ministerpräsidentenpartei. Überzeugte 2021 die Koalition der CDU mit SPD und Grünen gut jeden zweiten Wahlberechtigten (54 Prozent), stellen dem aktuellen Bündnis aus CDU, SPD und FDP nur ein Drittel (33 Prozent; -1 zu September 2025) ein positives Zeugnis für dessen Arbeit aus. Sechs von zehn (62 Prozent) sind von den Magdeburger Regierungsleistungen derzeit nicht überzeugt, wobei sich die AfD-Anhänger (11:88 Prozent) deutlich kritisch positionieren.
Die geringe Zufriedenheit mit der CDU-geführten Landesregierung spiegelt sich im aktuellen Kompetenzurteil der Wahlberechtigten. Zur letzten Landtagswahl verbanden 40 Prozent die Lösung der wichtigsten Aufgaben im Bundesland mit den Christdemokraten, aktuell sind es mit 18 Prozent
(-2 zu September 2025) nur noch etwa halb so viele. Die AfD weckt bei den Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt deutlich größere Erwartungen als die Ministerpräsidentenpartei. Beim Angang zentraler Aufgaben im Bundesland setzt momentan ein knappes Drittel (31 Prozent) auf die AfD, nur etwas mehr als im vergangenen Herbst (+2), aber deutlich mehr als zur Landtagswahl 2021 (+22). Die übrigen Parteien haben im Kompetenzurteil der Wahlberechtigten nur ein geringes Gewicht. Ähnlich wie im vergangenen Herbst favorisieren 7 Prozent (+1) die Linke, 5 Prozent (+1) die SPD, 3 Prozent (+1) die Grünen. Ein gutes Fünftel (22 Prozent; -1) traut derzeit keiner Partei die Lösung der wichtigsten landespolitischen Aufgaben zu.
Außerdem:
- Wichtigste Probleme in Sachsen-Anhalt: Zuwanderung, Bildung und Wirtschaft
- Eingetrübte wirtschaftliche Stimmung
- Geringes Staatsvertrauen
Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt
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