BerlinTREND Juli II 2026
Repräsentative Studie im Auftrag des rbb
Nach Wegner-Rückzug: Wahl mit vielen Unbekannten
Der angekündigte Rückzug von Bürgermeister Kai Wegner und der Wechsel der CDU-Spitzenkandidatur neun Wochen vor dem Wahltermin verändern die Ausgangslage im Berliner Wahlkampf. Die Rückzugsentscheidung Kai Wegners wird von den Wahlberechtigten an der Spree mehrheitlich als richtig beurteilt (77 Prozent), auch von den Unions-Anhängern (76 Prozent) selbst. Anders als Kai Wegner, dessen Arbeit zuletzt zwei Drittel der Berlinerinnen und Berliner negativ bewerteten, ist der neue CDU-Spitzenkandidat, Finanzsenator Stefan Evers, nicht mit massiver Kritik konfrontiert. Allerdings können nur vier von zehn Berlinerinnen und Berlinern den 46-jährigen CDU-Politiker beurteilen, darunter 17 Prozent positiv.
Mit seinen Bekanntheitsdefiziten ist Stefan Evers vor dieser Wahl nicht allein. Nach dem Wegner-Rückzug ist keiner der Spitzenkandidaten einer Mehrheit der Wahlberechtigten bekannt. Entsprechend bietet das personelle Angebot gut zwei Monate vor der Abgeordnetenhauswahl vielen Berlinerinnen und Berlinern auch kaum Orientierung: Zwei Drittel (65 Prozent) tun sich schwer, aus dem Kreis der jetzigen Spitzenkandidaten einen persönlichen Favoriten für das Amt des Regierenden Bürgermeisters auszuwählen. 11 Prozent wünschen sich Stefan Evers von der CDU, 9 Prozent Elif Eralp von der Linken und 7 Prozent Steffen Krach von der SPD in das Bürgermeisteramt. 5 Prozent favorisieren Kristin Brinker von der AfD und 3 Prozent Werner Graf von den Grünen.
Mit der Frage, welche Partei den nächsten Senat anführen soll, tun sich die Berliner Wahlberechtigten weniger schwer als mit der personellen Wunschbesetzung für das Rote Rathaus. Zugleich spiegelt sich in den entsprechenden Präferenzen eine parteipolitisch zerklüftete Stadtgesellschaft. Ein knappes Viertel (23 Prozent) spricht sich für einen Senat unter Führung der Linken aus, kaum weniger viele für eine fortgesetzte CDU-Landesregierung (19 Prozent). Für einen AfD-geführten Senat machen sich 16 Prozent stark, für eine Rückkehr zu einer SPD-geführten Landesregierung 15 Prozent. 13 Prozent favorisieren wiederum einen Berliner Senat unter Führung der Grünen.
Auch die Sonntagsfrage verweist auf weiterhin enge politische Kräfteverhältnisse in der Stadt. Bei einer Abgeordnetenhauswahl zum jetzigen Zeitpunkt käme die Linke auf 22 Prozent, die CDU auf 20 Prozent. Grüne und AfD könnten mit 17 bzw. 16 Prozent rechnen, die Berliner Sozialdemokraten mit 12 Prozent. Im Vergleich zum Monatsbeginn legen Linke (+2) und CDU (+3) zu, während AfD und Grüne (jeweils -2) sowie die SPD (-1) schwächer liegen als zuletzt. FDP und BSW bleiben mit jeweils unverändert 3 Prozent weiter deutlich von der Mandatsschwelle entfernt; auf alle anderen Parteien entfallen zusammen unverändert 7 Prozent.
Die Sonntagsfrage misst Parteipräferenzen, kein Wahlverhalten. Ermittelt wird ein Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess, der erst am Wahltag abgeschlossen ist. Gut zwei Monate vor der Abgeordnetenhauswahl signalisieren in Berlin knapp drei von zehn Wahlberechtigten, dass sich ihre aktuelle Parteipräferenz noch ändern kann, ein gutes Fünftel verfügt derzeit über keine Präferenz. Etwa die Hälfte gibt dagegen an, bereits weitgehend auf eine Partei festgelegt zu sein.
Wahlberechtigte in Berlin
Zufallsbasierte Telefon- und Online-Befragung
1.147 Befragte (673 Telefoninterviews und 474 Online-Interviews)
13. bis 15. Juli 2026
2 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 10%
3 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 50%
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