Mecklenburg-VorpommernTREND Juli 2026
Repräsentative Studie im Auftrag des NDR
Sonntagsfrage Landtagswahl: AfD stabil, SPD verkürzt Rückstand leicht
Zweieinhalb Monate vor der Landtagswahl hat die AfD weiterhin gute Aussichten, erstmals stärkste Partei in Mecklenburg-Vorpommern zu werden. In der aktuellen Sonntagsfrage kommt die Partei unverändert auf 36 Prozent (+/-0 zu Mai). Allerdings verkürzen die Sozialdemokraten unter Manuela Schwesig ihren Umfrage-Rückstand im Bundesland leicht. Nach 27 Prozent im letzten Mecklenburg-VorpommernTREND kommen sie aktuell auf 29 Prozent (+2). Drittstärkste Kraft wäre bei einer Wahl zum jetzigen Zeitpunkt weiterhin die Linke mit 12 Prozent (-1) vor den Christdemokraten, die auf 9 Prozent (-1) kämen und erstmals bei TREND-Erhebungen in einem Bundesland einstellig abschneiden. Die Grünen wahren mit momentan 5 Prozent (+1) ihre Chance, den Landtagseinzug von 2021 zu wiederholen. Das BSW bliebe dagegen mit 4 Prozent (-1) momentan unterhalb der Mandatsschwelle. Alle übrigen Parteien kämen zusammen unverändert auf 5 Prozent (+/-0), darunter auch die FDP.
Die Sonntagsfrage zur Landtagswahl misst Parteipräferenzen, kein Wahlverhalten. Ermittelt wird ein Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess, der erst am Wahltag abgeschlossen ist. Teile der Wähler legen sich kurzfristig fest. Hierbei wirken das Themenumfeld sowie die Ansprache unentschlossener und taktischer Wähler unmittelbar vor der Wahl. Schlüsse auf spätere Wahlausgänge sind somit nur bedingt möglich.
Kritik an Landesregierung rückläufig
Bei einem Wahlausgang entsprechend der Sonntagsfrage könnte das Schweriner Zwei-Parteienbündnis aus SPD und Linken nicht weiterregieren. Dem entspricht eine überwiegend kritische Bilanz der Wahlberechtigten zum Ende der Legislaturperiode, wie sie momentan allerdings in vielen Bundesländern anzutreffen ist: 42 Prozent (+4 zu Mai) der Bürgerinnen und Bürger äußern sich zufrieden zu den Regierungsleistungen in Mecklenburg-Vorpommern, 55 Prozent (-3) üben Kritik. 2021 überzeugte das damalige aus SPD und CDU bestehende Kabinett noch knapp zwei Drittel (64 Prozent). Gegenüber der letzten Befragung von Mitte Mai ist die Zahl der Zufriedenen allerdings wieder etwas gewachsen, die der Kritiker entsprechend leicht gesunken.
Mehrheitlichen Rückhalt findet die Schweriner Koalitionsarbeit momentan unter den Anhängern der Koalitionspartner SPD (83 Prozent) und Linken (63 Prozent) sowie bei den Grünen (70 Prozent), nicht jedoch in den Reihen von CDU (40:56 Prozent) und vor allem nicht bei den AfD-Wählern (16:83 Prozent).
Parteikompetenzen: deutliche Verschiebungen gegenüber 2021
Dass sich die AfD in der aktuellen Sonntagsfrage weiter an erster Stelle platziert, fußt auf einem tiefgreifenden Umbruch im Sachvertrauen der Bürgerinnen und Bürger im Bundesland zugunsten der Rechtsaußenpartei. Aktuell überzeugt die AfD nicht nur beim Thema Zuwanderung mehr Wahlberechtigte (37 Prozent; +18 zu September 2021) als jede andere Partei. Die AfD bindet auch bei der Vertretung ostdeutscher Interessen (31 Prozent; +17), bei Wirtschafts- (30 Prozent; +21) und Arbeitsmarktfragen (29 Prozent; +20) größeres Vertrauen, darüber hinaus in der Schulpolitik (27 Prozent; +18), beim Einsatz für angemessene Löhne (26 Prozent; +18) und soziale Gerechtigkeit (26 Prozent; +14), bis hin zum Vorantreiben digitaler Entwicklungen (21 Prozent; +15).
Diese Verschiebungen in der Bewertung gehen im Bundesland sichtbar zu Lasten der SPD, die 2021 mit Ausnahme von Wirtschaft, Umwelt und der Vertretung von Ostinteressen auf allen Politikfeldern mit Abstand die meisten Wahlberechtigten überzeugte. In der summarischen Bewertung zur Lösung der wichtigsten Aufgaben im Bundesland liegen die Sozialdemokraten mit 26 Prozent zwar besser als noch im Mai (+5). Gegenüber der letzten Landtagswahl (44 Prozent; -18) ist ihr entsprechender Wert jedoch zweistellig eingebrochen, auch bleiben sie hinter der AfD (28 Prozent) zurück.
Betroffen sind von den Vertrauensumschichtungen der Wahlberechtigten allerdings auch die anderen Parteien: Der Kompetenzwert der CDU hat sich auf ihren Kernthemenfeldern Wirtschaft (15 Prozent; -14) und Arbeit (11 Prozent; -10) gegenüber 2021 faktisch halbiert. Die Linke verbucht zwar kaum Kompetenzverluste beim Einsatz für soziale Gerechtigkeit (18 Prozent; -2), aber ebenfalls sichtbare bei der Vertretung ostdeutscher Interessen (16 Prozent; -9). Und auch die Grünen müssen auf dem für sie zentralen Feld des Umwelt- und Klimaschutzes (23 Prozent; -9) deutlich Federn lassen und tun sich schwer, ihren Kompetenzvorsprung von 2021 zu verteidigen, diesmal gegenüber der AfD (21 Prozent; +13).
Weitere Themen im aktuellen Mecklenburg-VorpommernTREND:
- AfD-geführte Landesregierung bzw. AfD-Ministerpräsident: keine Wunschoptionen
- Politikerzufriedenheit: Schwesig leicht besser bewertet
- Kooperationen mit AfD: überwiegend Ablehnung allein bei MP-Wahl
- Daseinsvorsorge: teilweise deutliche Stadt-Land-Unterschiede
- Sonntagsfrage Bundestagswahl: AfD unverändert
- Nur jeder Zehnte rechnet mit finanziellen Verbesserungen in den kommenden Monaten
Wahlberechtigte Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern
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