60 Jahre Élysée-Vertrag Januar 2023

Repräsentative Studie im Auftrag des Saarländischen Rundfunks im Saarland und in den französischen Départements Moselle und Meurthe-et-Moselle

60 Jahre nach Unterzeichnung des Élysée-Vertrags:
Mehrheit bewertet deutsch-französisches Verhältnis positiv

Mit dem Élysée-Vertrag, den Konrad Adenauer und Charles de Gaulle am 22. Januar 1963 unterzeichneten, wurde der Grundstein für die deutsch-französische Freundschaft gelegt. Auch 60 Jahre nach der Unterzeichnung des Vertrages gestaltet sich das deutsch-französische Verhältnis aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger auf beiden Seiten der Grenze mehrheitlich positiv. Im Saarland bewerten knapp drei Viertel (72 Prozent) das deutsch-französische Verhältnis als sehr gut (9 Prozent) oder gut (63 Prozent). In den französischen Départements Moselle und Meurthe-et-Moselle sieht man das ähnlich: auch hier bewerten knapp drei Viertel (74 Prozent) die deutsch-französischen Beziehungen als sehr gut (8 Prozent) oder gut (66 Prozent). Jeweils ungefähr ein Fünftel sieht die aktuellen Beziehungen eher negativ. Dabei haben in beiden Ländern jüngere Bürgerinnen und Bürger im Alter bis 34 Jahren einen etwas wohlwollenderen Blick auf das derzeitige Verhältnis (Saarland: 81 Prozent; Lothringen: 85 Prozent), die Bevölkerung im Alter von 65 Jahren und älter urteilt auf beiden Seiten der Grenze verhaltener, wenn auch mehrheitlich positiv (Saarland: 70 Prozent; Lothringen: 66 Prozent). In der französischen Grenzregion blickt die Bevölkerung mit größerer Grenznähe im Département Moselle tendenziell etwas positiver auf das Verhältnis der beiden Länder als die Bewohner des Départements Meurthe-et-Moselle (77:69 Prozent).

Zuletzt schien das Verhältnis zwischen Berlin und Paris durchaus angespannt. In der Wahrnehmung der Bevölkerung in der deutsch-französischen Grenzregion spiegelt sich dies allerdings nur zum Teil. Mehr als die Hälfte der Saarländerinnen und Saarländer (55 Prozent) wie auch in den befragten Teilen Lothringens (59 Prozent), ist der Ansicht, dass sich das Verhältnis der beiden Nachbarländer in den letzten drei Jahren nicht wesentlich verändert hat. Rund drei von Zehn (Saarland: 31 Prozent; Lothringen 27 Prozent) finden hingegen, dass sich das Miteinander in der jüngeren Vergangenheit eher verschlechterte. Jeder Zehnte (Saarland: 10 Prozent; Lothringen 9 Prozent) konstatiert eine Verbesserung der Beziehungen.  

Im Saarland überwiegt der Wunsch nach europäischer Kooperation, in Lothringen nach eigenständigerer Politik 

Besteht somit weitgehend Einigkeit in der Bewertung der aktuellen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland, zeigen sich Unterschiede hinsichtlich der Ausgestaltung der künftigen Politik in Europa. Im Saarland spricht sich eine Mehrheit (57 Prozent) für eine verstärkte Zusammenarbeit in Europa aus, ein Fünftel (22 Prozent) plädiert für eine eigenständigere Politik Deutschlands, ebenfalls ein Fünftel (21 Prozent) für eine engere Kooperation von Deutschland und Frankreich. In den an das Saarland grenzenden Départements ist der Wunsch nach einer eigenständigeren Politik Frankreichs (47 Prozent) stärker ausgeprägt, ein gutes Drittel wünscht sich eine stärkere europäische Kooperation (37 Prozent), ein Sechstel (16 Prozent) eine verstärkte Zusammenarbeit von Deutschland und Frankreich.

Wichtigste Probleme: auf beiden Seiten der Grenze Sorge um Inflation, doch stärker in Frankreich

Unterschiede zeigen sich auch bei der Bewertung der aktuellen Themenlage. Sowohl im Saarland als auch in der französischen Grenzregion bereiten die derzeitigen Preissteigerungen den Menschen Sorge. Im Saarland zählt bei knapp der Hälfte der Bevölkerung (46 Prozent) die Inflation zu den Themen, die die größte Sorge bereiten, der Krieg in der Ukraine bewegt aber ähnlich viele (49 Prozent). Der Klimawandel bereitet im Saarland rund einem Drittel (34 Prozent) die größten Sorge.

In Lothringen überwiegt die Sorge um die Inflation, die mehr als die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger beunruhigt (57 Prozent). Der Krieg in der Ukraine besorgt die Bevölkerung auf der französischen Grenzseite etwas weniger als auf der deutschen (33:49Prozent), die Sorge um den Klimawandel hat im Saarland und in Lothringen dagegen einen vergleichbaren Stellenwert (34:36 Prozent).

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit: Mehrheit sieht Verbesserungsmöglichkeiten

Bei der Frage der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in einzelnen Bereichen sieht man auf beiden Seiten der Grenze Verbesserungsmöglichkeiten. Tendenziell wird die Kooperation auf französischer Seite häufiger als im Saarland als ausreichend bewertet, allerdings ist hier die Kritik auch stärker ausgeprägt. Im Saarland kann oder möchte sich mit rund ein Viertel ein höherer Anteil als in französischen Départements hingegen kein Urteil über die gegenwärtige Zusammenarbeit in den einzelnen Bereichen erlauben.

Am häufigsten wird die nachbarschaftliche Kooperation zwischen dem Saarland und Lothringen in Fragen der beruflichen oder universitären Bildung als ausreichend bewertet. Diese erachten im Saarland 41 Prozent als ausreichend, in Lothringen 52 Prozent. Insbesondere in der jüngeren Altersgruppe von 18 bis 34 Jahren, die sich zumindest teilweise noch in Ausbildung befinden, fällt das Votum in beiden Ländern überdurchschnittlich wohlwollend aus (Saarland 18-34 Jahre: 51 Prozent, Lothringen 63 Prozent).

Auch in anderen Bereichen lässt sich der Wunsch nach stärkerer Zusammenarbeit erkennen. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit bewerten 41 Prozent der Saarländerinnen und Saarländer als ausreichend, 36 Prozent als unzureichend, ein knappes Viertel kann oder möchte dies nicht beurteilen. Auf französischer Seite betrachten ähnliche viele (42 Prozent) die Wirtschaftskooperation positiv, die Kritik fällt mit 51 Prozent aber höher als im Saarland aus. Ähnliches gilt für die Frage der Gesundheitsversorgung (Saarland: 34:44 Prozent, Lothringen: 43:51 Prozent) und die öffentliche Verwaltung (Saarland: 29:41 Prozent, Lothringen: 40:52 Prozent). Der öffentliche Personennahverkehr wird auf beiden Seiten der Grenzen von rund der Hälfte kritisch bewertet (Saarland: 30:53 Prozent, Lothringen: 45:47 Prozent).

Mehr als die Hälfte erachtet Kenntnisse der Nachbarsprache als wichtig, Jüngere sehen geringere Notwendigkeit

Eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger (55 Prozent im Saarland und in Lothringen) erachtet es als sehr wichtig oder wichtig, dass die Menschen im Saarland französisch, die Menschen in Lothringen deutsch sprechen. Dabei sinkt allerdings die Relevanz, die entsprechenden Sprachkenntnisse beigemessen wird, mit dem Alter. Während in der deutsch-französischen Grenzregion ältere Bürgerinnen und Bürger mehrheitlich der Ansicht sind, dass es sehr wichtig oder wichtig sei, die Sprache des Nachbarlandes zu sprechen, verhält es sich in der jüngeren eher anglophilen Altersgruppe bis 34 Jahre umgekehrt.

Kontakt
Anja Miriam Simon
Studieninformation
Grundgesamtheit

Wahlberechtigte Bevölkerung im Saarland (SL)
Wahlberechtigte in den Départements Moselle / Meurthe-et-Moselle (MM)

Erhebungsmethode

SL: Zufallsbasierte Telefon- und Online-Befragung im Saarland
MM: Quotenbasierte Telefon-Befragung

Fallzahl

SL: 1.260 Befragte
(821 Telefoninterviews und 439 Online-Interviews)
MM: 1.018 Befragte

Erhebungszeitraum

SL: 05. bis 11. Januar 2023
MM: 02. bis 11. Januar 2023

Schwankungsbreite

2* bis 3** Prozentpunkte

* bei einem Anteilswert von 10%
** bei einem Anteilswert von 50%

© infratest dimap

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