Sachsen-AnhaltTREND September 2025
Repräsentative Studie für den MDR, die Mitteldeutschen Zeitung und die Volkstimme
Sachsen-Anhalt ein Jahr vor der Landtagswahl: AfD stärkste Kraft
Die nächste Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet am 6. September 2026 statt. Bei der letzten Landtagswahl im Juni 2021 bestätigte die CDU ihre dominante Stellung im Land eindrucksvoll (37,1 Prozent; +7,4). Die AfD verlor im Corona-Jahr 2021 auch in Sachsen-Anhalt an Zuspruch, verteidigte aber ungefährdet Platz 2 im Bundesland (20,8 Prozent; -3,4). Die Linke verzeichnete einen Negativrekord und lag wie schon 2016 hinter der AfD auf Platz 3 (11,0 Prozent; -5,3). Der Rückhalt für die SPD fiel beim Urnengang vor fünf Jahren (8,4 Prozent; -2,2) in Sachsen-Anhalt erstmals einstellig aus. Der FDP gelang 2021 nach 10 Jahren Unterbrechung wieder der Sprung über die Mandatsschwelle (6,4 Prozent; +1,6). Auch die Grünen zogen nach fünf Jahren Regierungsbeteiligung im bundesweit ersten Kenia-Bündnis ebenfalls in den Landtag ein (5,9 Prozent; +0,8), blieben bei der Regierungsbildung aber unberücksichtigt.
Ein Jahr vor der nächsten Landtagswahl sind die politischen Kräfteverhältnisse in Bewegung. Die AfD, bereits bei der letzten Europa- und Bundestagswahl 2025 stärkste Kraft in Sachsen-Anhalt, hat in der aktuellen landespolitischen Stimmung deutliche Vorteile. Sie könnte bei einer Landtagswahl zum jetzigen Zeitpunkt mit 39 Prozent rechnen. Damit würde sie sich im Vergleich zur Landtagswahl 2021 und dem letzten Sachsen-AnhaltTREND vom Februar 2022 nahezu verdoppeln und hätte ein deutschlandweites Bestergebnis bei Landtagswahlen in Aussicht. Die CDU würde auf Platz 2 und mit 27 Prozent auf ihren Umfragetiefpunkt von April 2021 zurückfallen. Der Koalitionspartner SPD würde zum jetzigen Zeitpunkt mit 7 Prozent knapp unter ihrem Rekordtiefstand der letzten Landtagswahl liegen. Die Grünen würden mit 3 Prozent den Einzug in den Magdeburger Landtag verfehlen. Das BSW hätte 6 Prozent in Aussicht. Alle übrigen Parteien, darunter die mitregierende FDP, lägen zusammengenommen bei 5 Prozent.
Ob es der CDU in Sachsen-Anhalt wie 2021 oder wie der SPD 2024 in Brandenburg mit einem bislang allerdings kaum bekannten Spitzenkandidaten gelingt, im Wahlkampf aufzuholen, bleibt offen. Die Sonntagsfrage misst Parteipräferenzen, kein Wahlverhalten. Ermittelt wird ein Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess, der erst am Wahltag abgeschlossen ist. Teile der Wähler legen sich kurzfristig fest. Hierbei wirken das Themenumfeld wie der Wahlkampf mit der Ansprache unentschlossener und taktischer Wähler. Schlüsse auf spätere Wahlausgänge sind somit nur bedingt möglich.
CDU-geführte Landesregierung weiterhin bevorzugt
Bei einem Wahlausgang entsprechend der aktuellen Sonntagsfrage wäre eine Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt außerordentlich schwierig und gegen die AfD allein mit einem Drei-Parteien-Bündnis unter Einschluss der Linken möglich. Bei der Entscheidung zwischen einer AfD- und einer CDU-geführten Landesregierung setzt aktuell knapp die Hälfte der Sachsen-Anhalter und Sachsen-Anhalterinnen (47 Prozent) auf eine Unions-geführte Regierung, immerhin 37 Prozent favorisieren einen Regierungswechsel zugunsten der AfD. Für eine Regierungsbildung unter Führung der AfD sprechen sich allein deren Anhänger mehrheitlich aus. Die Anhänger aller anderen Parteien setzen bei dieser Konstellation dagegen eindeutig auf eine Fortführung CDU-geführter Landesregierungen in Sachsen-Anhalt, darunter auch die Unions-Anhänger. Eine größere Offenheit für eine AfD-geführte Landesregierung besteht mit 20 Prozent am ehesten in den Reihen des BSW, aber auch dort wird ein CDU-geführtes Bündnis vorgezogen.
Regierungszufriedenheit: Kritik überwiegt
Die Präferenz einer erneut CDU-geführten Landesregierung ein Jahr vor dem Urnengang stützt sich nicht unbedingt auf eine positive Sicht der Regierungsarbeit im Bundesland. Die Arbeit der schwarz-rot-gelben Landesregierung wird anders als zu Beginn der Legislaturperiode mehrheitlich kritisch gesehen. Waren ein halbes Jahr nach Amtsantritt mehr als die Hälfte der Sachsen-Anhalter zufrieden mit dem Start des Drei-Parteien-Kabinetts, urteilt nun gerade ein Drittel (34 Prozent) wohlwollend. 62 Prozent bewerten die Leistung von Schwarz-Rot-Gelb negativ. Die Zufriedenheit mit der amtierenden Koalition ist damit geringer als die für die schwarz-rot-grüne Vorgängerregierung im Vorfeld der letzten Landtagswahl. Ein ähnlich geringer Regierungsrückhalt bestand in Sachsen-Anhalt zuletzt im April 2007 unter der Koalition aus CDU und SPD.
Mehrheitlich wohlwollend zur Regierungsarbeit äußern sich vor allem die Anhänger der regierungsführenden CDU (77 Prozent), verhaltener auch die Anhänger der mitregierenden SPD (57 Prozent). Im Lager der Linken (48:47 Prozent) halten sich Lob und Kritik in etwa die Waage, unter den Anhängern von BSW (22:69 Prozent) und AfD (10:88 Prozent) überwiegt die Kritik deutlich.
Politikerzufriedenheit: CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze mehr als der Hälfte unbekannt
Zur Landtagswahl 2026 soll Wirtschaftsminister Sven Schulze die CDU in den Landtagswahlkampf führen. Der gebürtige Quedlinburger, der 2021 nach seiner Tätigkeit als Europaabgeordneter in die Landespolitik wechselte, ist bislang einer Mehrheit allerdings unbekannt. Er überzeugt zudem derzeit nur ein Fünftel der Wahlberechtigten mit seiner Arbeit, während ein Viertel Kritik (20:24 Prozent) übt. Schulze bleibt damit weit hinter der Popularität des amtierenden Ministerpräsidenten zurück. Mit der Arbeit von Reiner Haseloff ist nach wie vor eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger (59 Prozent) zufrieden, auch wenn er etwas weniger Wahlberechtigte als beim letzten Urnengang überzeugt (-8 Punkte im Vgl. zu Juni 2021).
Wie Sven Schulze sind ein Jahr vor der Wahl allerdings auch die Spitzen der anderen Parteien mit erheblichen Bekanntheitsdefiziten konfrontiert. Der AfD-Fraktions- und Landesvorsitzende Ulrich Siegmund ist zwei Dritteln der Bevölkerung kein Begriff, unter denen, die sich ein Urteil zutrauen, überwiegt das wohlwollende Urteil (20:15 Prozent). SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann ist ebenfalls knapp zwei Dritteln nicht bekannt, seine Arbeit als Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt stößt auf ein geteiltes Echo (18:17 Prozent). Die FDP-Ministerin für Infrastruktur und Digitales Lydia Hüskens konnte ihre Sichtbarkeit im Vergleich zu vor fünf Jahren zwar etwas erhöhen, dennoch ist sie nach wie vor mehr als der Hälfte unbekannt. Mit ihrer politischen Arbeit zieht sie mehr Unzufriedenheit als Zufriedenheit auf sich (13:29 Prozent). Auch der Linken-Fraktionsvorsitzenden Eva von Angern ist es nur bedingt gelungen, ihre Popularität zu steigern. Zwei Drittel kennen sie nicht oder können sie nicht beurteilen, auch ihr politisches Wirken stößt auf mehr Kritik als Lob (13:21 Prozent). Die Grünen-Politikern Susan Sziborra-Seidlitz, die im Mai zur Landesvorsitzenden gewählt wurde, ist bisher kaum jemandem ein Begriff. Nur ein knappes Fünftel traut sich überhaupt ein Urteil zu, häufiger fällt es kritisch aus (4:14 Prozent).
Außerdem:
- Grundstimmung eingetrübt
- Sachvertrauen bei der Lösung der wichtigsten Aufgaben: AfD vor CDU
- Wichtigste Probleme in Sachsen-Anhalt: Zuwanderung gefolgt von Bildung
- Militarisierung der Gesellschaft: geteiltes Meinungsbild
Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt
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