ARD-DeutschlandTREND September 2024
Repräsentative Studie im Auftrag der ARD
Fortgesetzte Ansehenskrise von Bundesregierung und Ampelspitze
Am 28. September 2025 findet regulär die nächste Bundestagswahl statt. Gut ein Jahr vor dem Wahltermin gibt es keine Anzeichen für ein Ende der Ansehenskrise von Bundesregierung und Koalitionsspitzen. Im Gegenteil. 16 Prozent der Bundesbürger stellen der Koalition ein positives Zeugnis aus, 84 Prozent sind unzufrieden – die schlechteste Bewertung für die Ampel seit Amtsantritt. Grünen-Vizekanzler Habeck ist weiter mit deutlichem Unmut konfrontiert, FDP-Finanzminister Lindner erreicht seinen Tiefstwert als Bundesminister vom Mai, SPD-Kanzler Scholz fällt auf ein neues Sympathietief.
Ampel-Parteien binden bei Top-Themen wenig Sachvertrauen
Als derzeit größte thematische Herausforderungen für die Bundespolitik sehen die Wahlberechtigten die Zuwanderungsthematik, für die sich eine deutliche Mehrheit eine grundlegende Neuausrichtung wünscht, was auch die Einrichtung von dauerhaften Grenzkontrollen miteinschließt. Mit Abstand folgt auf der Problem-Agenda der Bundesbürger die Wirtschaftssituation in Deutschland. Die drei Ampelparteien tun sich auf diesen Themen schwer zu punkten und spielen bei den dortigen Kompetenzzuweisungen der Wahlberechtigten nur eine nachgeordnete Rolle: In Zuwanderungsfragen führt die Union, noch deutlicher bei Wirtschaftsthemen.
Die CDU/CSU sichert sich beim Sachvertrauen Vorteile gegenüber ihren Wettbewerbern, aber auch ihrer Strahlkraft sind Grenzen gesetzt. Dass eine von ihr geführte Regierung anstehende Aufgaben und Probleme unter dem Strich besser lösen könnte, glaubt eine Mehrheit nicht. Unions-Fraktionsvorsitzender Merz wird in der Bevölkerung positiver gesehen als die Spitzen der Ampel-Koalition, erntet aber ebenfalls mehrheitlich Kritik. Für jeden Vierten wäre der CDU-Bundesvorsitzende ein guter Kanzlerkandidat für 2025. In der „K-Frage“ überzeugen allerdings NRW-Ministerpräsident Wüst, vor allem aber CSU-Ministerpräsident Söder nach wie vor mehr. Auch in den Unions-Reihen fände ein Kanzlerkandidat Söder weiterhin den im Vergleich größeren Zuspruch.
Sonntagsfrage: Union so stark wie seit drei Jahren nicht mehr
Die Unzufriedenheit mit den Regierungsparteien prägt die aktuellen Wahlpräferenzen stärker als die Zweifel an Union und deren personellen Aufstellung. Sozialdemokraten würden bei einer Bundestagswahl derzeit 15 (+/-0) erzielen. Die Grünen kämen auf 11 Prozent (-1), der niedrigste Wert für sie seit März 2018. Die FDP wäre mit momentan 4 Prozent (-1) nicht mehr im Bundestag vertreten. Die CDU/CSU als größte Oppositionskraft hätte 33 Prozent (+1) in Aussicht, der höchste Wert für sie seit März 2021. Die AfD käme auf 17 Prozent (+1), das BSW auf 8 Prozent (-1). Die Linke wäre mit 3 Prozent auf den Gewinn von Direktmandaten angewiesen. Alle übrigen Parteien kämen zusammen auf 9 Prozent, darunter ist keine weitere Partei mit mindestens 3 Prozent Wähleranteil.
Mehr als die Hälfte im Osten für BSW-Regierungsbeteiligungen
Die Kräfteverhältnisse nach den Wahlen in Sachsen und Thüringen bescheren der CDU eine Debatte über die Zusammenarbeit mit dem BSW. Eine Beteiligung des BSW an Regierungen in den Ländern unterstützt knapp die Hälfte der Wahlberechtigten, im Osten ist es mehr als jeder Zweite. Die Unions-Anhänger selbst sehen eine Regierungseinbindung des BSW auf Länderebene eher kritisch. Die CDU-Anhänger stehen zugleich weiter mehrheitlich zum Unvereinbarkeitsbeschluss ihrer Partei zur AfD, den entsprechenden Beschluss zur Linken trägt von ihnen gut die Hälfte mit. Von den Bundesbürgern insgesamt unterstützen sechs von zehn den CDU-Unvereinbarkeitsbeschluss zur AfD und vier von zehn das Kooperationsverbot mit der Linken. Im Osten stößt beides auf größeren Widerspruch als im Westen.
Verbreitetes Unsicherheitsgefühl
Die innere Sicherheit steht nach dem Anschlag von Solingen einmal mehr im Fokus von Bundes- und Landespolitik, sie gewinnt aber auch auf der Problem-Agenda der Wahlberechtigten an Stellenwert. Zugleich besteht ein ausgeprägt hohes subjektives Unsicherheitsgefühl unter den Bundesbürgern. 44 Prozent und damit mehr als im Juli signalisieren, sich im öffentlichen Raum unsicher zu fühlen. Der Langzeitvergleich verweist auf deutlichere Verschiebungen. Vor sieben Jahren lag der Anteil derer, die sich auf öffentlichen Plätzen, Straßen und öffentlichen Verkehrsmitteln unsicher fühlten, nur etwa halb so hoch.
Wahlberechtigte in Deutschland
Zufallsbasierte Telefon- und Online-Befragung
1.309 Befragte
(780 Telefoninterviews und 529 Online-Interviews)
03. bis 04. September 2024
2 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 10 Prozent
3 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 50 Prozent
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