ARD-DeutschlandTREND Juli 2026
Repräsentative Studie im Auftrag der ARD
Weiter ausgeprägte Wirtschaftssorgen
Die Bundesregierung plant auf den Feldern von Rente, Gesundheit, Arbeitsmarkt und Steuern umfangreiche Reformen. Die Reformdebatte fällt in eine Zeit sichtbarer wirtschaftlicher Verunsicherung in der Bevölkerung. Gut drei Viertel der Deutschen sind in Sorge um den Wirtschaftsstandort Deutschland, nochmals mehr als im vergangenen Herbst. Ebenfalls gestiegen sind seither die Sorgen der Beschäftigten. Aktuell fürchtet fast jeder vierte Erwerbstätige um seinen Arbeitsplatz.
Rentenreform: gedämpfte Erwartungen
Von den Reformvorhaben gilt der Umbau der gesetzlichen Rente zu den besonders komplexen, auch weil die Politik neben der langfristigen Finanzierbarkeit auch Erwartungen an deren Leistungsfähigkeit zu berücksichtigen hat: Von den Deutschen, die aktuell im Erwerbsleben stehen, fürchtet mehr als die Hälfte, im Alter mit Geldproblemen konfrontiert zu sein. Eine von der Regierung eingesetzte Kommission hat inzwischen mehrere Reformvorschläge vorgelegt. Zentrale Eckpunkte stoßen in der Bevölkerung allerdings nur auf ein geteiltes Echo. Deutliche Zustimmung findet eine breitere Finanzierungsbasis der gesetzlichen Rente durch die Einbindung von Politikern, Selbständigen und Vorständen von Aktiengesellschaften. Auch die Einführung einer kapitalgedeckten Zusatzrente, paritätisch finanziert von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, wird mehrheitlich positiv bewertet. Einschnitte wie die Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung oder die Abschaffung des vorgezogenen abschlagsfreien Renteneintritts für langjährig Versicherte bleiben dagegen unpopulär. In der Gesamtschau bewerten die Bundesbürger das vorgeschlagene Maßnahmenpaket zurückhaltend: Eine stärkere Generationengerechtigkeit erwarten drei von Zehn, unter den unter 35-Jährigen jeder Fünfte. An eine zukunftssichere Alterssicherung durch die Reformen glaubt gut jeder Dritte. Linken- und AfD-Anhänger sind dabei am reformskeptischsten.
Zwei Drittel besorgt wegen Folgen des Klimawandels
Die Lage des Wirtschaftsstandorts Deutschland bewegt aktuell mehr Bundesbürger als der Klimawandel. Die Folgen des Klimawandels beunruhigen jedoch immerhin zwei Drittel der Deutschen und damit mehr als zu Beginn des Vorjahres. Trotz vielfältiger Krisen kommt daher eine De-Priorisierung des Klimaschutzes im politischen Handeln für eine Mehrheit nicht infrage. Im Gegenteil. Kaum jemand sieht die Politik aktuell nicht gefordert, mit Investitionen die öffentliche Infrastruktur hitzeresistenter zu machen. Zugleich stehen die Deutschen höheren preislichen Belastungen durch eine stärkere CO2-Besteuerung kaum verändert kritisch gegenüber und sehen beim Klimaschutz weiterhin eher die Wirtschaft als die Konsumenten in der Pflicht.
Kein Stimmungsumschwung für Koalition
Ein Stimmungsumschwung zugunsten der Bundesregierung geht bisher von den laufenden Berliner Reformdebatten nicht aus. 13 Prozent der Wahlberechtigten sind aktuell mit der Berliner Regierungsarbeit zufrieden, 1 Punkt mehr als im Vormonat. Zu Friedrich Merz äußern sich 13 Prozent (-3) wohlwollend, ein neuer Tiefstand für den Kanzler. Vizekanzler Klingbeil verharrt bei einem Zuspruch von 21 Prozent. AfD-Chefin Alice Weidel wird von gut jedem Vierten positiv bewertet.
Sonntagsfrage: Union mit niedrigstem Stand seit Herbst 2021
In der Sonntagsfrage bleibt die AfD mit unverändert 27 Prozent vor der Union. Während die AfD zum Vormonat unverändert liegt, fällt die CDU/CSU um 1 Punkt auf 22 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit November 2021. Die SPD gibt ebenfalls um 1 Punkt nach auf 12 Prozent. Grüne und Linke verbessern sich dagegen jeweils um 1 Punkt und kommen aktuell auf 15 bzw. 11 Prozent. Alle anderen Parteien würden an der Mandatsschwelle scheitern, darunter die FDP (4 Prozent;
+/-0).
Wahlberechtigte in Deutschland
Zufallsbasierte Telefon- und Online-Befragung
1.317 Befragte (785 Telefoninterviews und 532 Online-Interviews)
29. Juni bis 01. Juli 2026
2 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 10 Prozent
3 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 50 Prozent
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